Sommer, Sonne und saugende Sandschlünde

Sommer, Sonne und saugend Sandschlünde

Bestes Wetter bei 30 Grad im Schatten und endlich Urlaub! Was gibt es da Schöneres, als die Vorhänge zuzuziehen und den Fernseher anzuschalten. Wir haben die besten Sommerfilme für Sie getestet:

Der weiße Hai   

Sommersonne, aufgewühltes Meer, anregende Wasserspiele zu dritt. Dennoch kann das dröge Sequel zum Klassiker Drei Mann in einem Boot nur als unterirdischer Hetzfilm gegen den Weißen Hai gelten, jenen genügsam-gelehrig verspielten Meeressäuger, der sich längst in der Therapie und Ausmerzung erkrankter Menschen bewährt hat. Veit Harlans Film ist nicht zuletzt wegen seiner fadenscheinigen Haipuppen-Effekte späteren Haisommer-Produktionen wie Hai-Alarm auf Mallorca oder Mega Shark vs. Crocosaurus weit unterlegen.  4,6 (mangelhaft)

Lawrence von Arabien

In der glühenden Einöde der Wüste Nefud stehen die Zeichen auf Sommer, Sonne und Krieg! Es sind die seligen Tage, als Araber und Türken noch nicht den Hip-Hop für sich entdeckt haben. Der knapp 18-stündige Film, in dem Frauen im wahrsten Sinne keine Rolle spielen, appelliert jedoch ausschließlich an den Gefühlshaushalt eines schwulen Publikums und dessen verstohlenem Wunsch nach einer frauenfreien Welt. Der Held ist ein, seine Neigungen kaum verschleiernder, Homofürst der Wüste, hinzu kommt eindeutigste Symbolik: Wenn ein jugendlicher Begleiter Lawrence‘ im Treibsand versinkt, versinnbildlicht der saugende, rosettenhafte Sandschlund die unersättlich fordernde Sexualität des homosexuellen Mannes. 2,3 (okay)

Sunshine Reggae auf Ibiza

Werner Herzogs Familienfilm scheint zur ethischen Orientierung eher geeignet. Im Jahr nach seiner Screwball-Comedy Fitzcarraldo engagierte Herzog nicht erneut den randalierenden Rammler Kinski, sondern Suff-Charmeur Karl Dall, den Herzog jeden Morgen mit vorgehaltener Flinte aus dessen Stammpinte zum Dreh abholte. Herzog rühmt sich noch heute der Leistung, ohne Seilzüge oder Zuhilfenahme der indigenen Ibizenker Bea Fiedlers sommerlich gebräunte Brüste („Eine wichtige Metapher, ich weiß nur nicht, wofür.“) immer wieder aufs Neue ins Bild gehievt zu haben. Wir finden, diese können sich so gut sehen lassen wie der ganze Film!  1,3 (prall)

Kinderarzt Dr. Fröhlich

Das ersehnte Schlagerfilm-Sommervergnügen entpuppt sich schnell als Filmmauke der Güteklasse a-Moll, verfinstert von den kataklysmischen Schatten eines unglücklichen Roy Black, der, zur Schnulze verdammt, bekanntlich lieber alles in Grund und Boden heavyrocken wollte. Stimmt er in einer Kirche nihilistisch das Ave Maria an, konterkarieren dabei seine bebenden Lider und zitternden Lenden und geben Zeugnis von der Sehnsucht, schwedischen Death Metal machen zu dürfen. Volker Schlöndorffs Film bleibt demgemäß unter seinen großen Möglichkeiten; der stets diesige Himmel könnte allerdings dem verschmutzten Bild der uns vorliegenden Raubkopie geschuldet sein. 5,1 (oll)

Das Traumschiff

Wer seinen eher elitären Unterhaltungsansprüchen Genugtuung verschaffen möchte, liegt hier richtig. Alle 81 Episoden an einem Wochenende genossen (wobei freilich mehrere DVD-Player parallel laufen müssen), gerinnen zum unvergesslichen Erlebnis. In der dekadenten Untergangsstimmung Blankeneser Seniorenheime werden danach oft sogar noch die 27 Folgen des kongenialen Traumschiff-Ablegers Kreuzfahrt ins Glück nachgelegt. 2,2 (toll)

Dirty Dancing

Die Fortsetzung von Ein Walzer mit Dir (Deutschland, 1943) kennen wir nur wegen der tranigen Dialogfetzen, die, neben ekstatischem Weibergeschrei, sommers aus der Prosecco-Hölle eines Frauenabends im Open-Air-Kino dringen, und von unserer Blu-ray-Sammlung. Ein alle Oberflächenreize bedienender Tanzporno, zu dem musikalischer Handkäse wie She‘s Like the Wind gereicht wird. Für die darstellerische Leistung wurde der Hauptdarsteller mit dem frühen Tod bestraft, die Aufführung ist im Islamischen Staat zu Recht verboten. 1,0 (ausgezeichnet)

„Sommer, Sonne und saugende Sandschlünde“ – Der Herbst ist eingekehrt, aber hier noch dieser sommerliche Beitrag aus Eulenspiegel 8/18.

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